PETER LIECHTI (1951-2014)
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COLLINE D'ESTATE – Inszenierung der appenzellischen Landschaft in zeh (1984, Experimentalfilm, Super-8, stereo, VHS, DigiBeta, 50')
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«Die Magie der Landschaft» Ralph Hug, Ostschweizer AZ, 15-2-85

Seinem Film «Sommerhügel» hat Peter Liechti auch einen Untertitel gegeben, nämlich «Eine Inszenierung der appenzellischen Landschaft in zehn Akten». Hier wird also eine Landschaft in Szene gesetzt, allerdings nicht dokumentarisch oder volkstümlich, sondern im Rahmen einer bewusst subjektiven Sicht. Liechti schreibt dazu selber: «Es geht um die Verarbeitung unserer Erlebnisse, unserer Erinnerungen - geprägt durch die eigentümliche Ausstrahlung dieser Landschaft und dem Aussenseiter-Dasein in einem kulturellen Milieu, das sich kaum mit unseren eigenen Interessen verbinden lässt.»

Liechtis Inszenierung ruft Assoziationen an die surrealistische Filmtradition wach, wie sie etwa Luis Bunuel in seinem Erstling «Der andalusische Hund» begründet hat. Dort wird die sinnhafte Logik einer Erzählung durch eine Abfolge von Bildern ersetzt, die allein der Logik des Traums folgt. Liechti hat sie insofern übernommen, als er in seinem Film mit Assoziationsketten und Bildverknüpfungen arbeitet, die seine eigene Art der Wahrnehmung, aber auch Empfindungen wie Euphorien und Depressionen versinnbildlichen sollen.

Liechtis gebrochenes Verhältnis zur appenzellischen Landschaft - er spürt deren Magie und Sinnlichkeit, setzt ihr aber seine eigene Welt dagegen - kommt auch in den Zwischentiteln der Akte zum Ausdruck. So heisst einer «Erstens: Die Liebe zur Natur. Zweitens: Das Gegenteil». Ein Szenenbeschrieb, der den ersten Akt unter dem Titel «Die Jagd, das Bild, der Bilderfluss» bezeichnet, mag einen Einblick in Liechtis Technik und Bildinhalte geben, die an drei Drehorten realisiert wurden (Gais, Wald, Trogen). Es heisst:
«Ein maskierter Bilderjäger (Fotograf, Kamera-Mann) pirscht mit der Kamera über eine weite Grasfläche (s/w). Man hört Jagdsignale, Schüsse, verzweifeltes Hühnergekreisch. Darauf völlige Stüle. Im Gras liegt eine frisch geschossene Polaroid-Foto. Langsam entwickelt sich das Bild eines rennenden Huhns (jetzt in Farbe). Parallel dazu wird langsam Musik eingespielt: Der eigentliche Tonfilm hat begonnen. Es folgt eine längere Sequenz von sehr kurzen Bildschnitten: Spiele, Bewegung im Freien, alle im gleichen Rhythmus zur Musik des Modern Jazz Quartets. Schliesslich ein Floh-Spiel auf dem Bügelbrett mit kunstvollen Floh-Arrangements. Die Szene ändert, als der Darsteller F. (Felix Kälin) durch den Abschuss eines Pfeils auf dem magischen Bogen eine neue Bilderreihe von freien Assoziationen auslöst. Schliesslich besteigt F. ein altes Fahrrad und fährt mit unbekanntem Ziel davon.»


«Neuvertonung des Appenzellerlandes» CJ, St.Galler Tagblatt, 1985

Die Inszenierung der Appenzellischen Landschaft in zehn Akten» (so der Untertitel von Liechtis Film) ist eine bewusst subjektive, keinesfalls volkstümliche oder dokumentarische Sicht dieses Kantons. Der Film hat keine durchgehende Handlung, sondern besteht aus zehn in sich abgeschlossenen Szenen. Was den Streifen thematisch zusammenhält, ist der Schauplatz «Appenzellerland», aber auch die musikalischen Elemente von Duchamp und Artaud. Alle Beteiligten an diesem Film haben eine Gemeinsamkeit: Sie wohnen oder wohnten dort, sind jedoch keine Appenzeller. Dazu Peter Liechti: «Es geht um die Verarbeitung unserer Erlebnisse, unserer Erinnerungen - geprägt durch die eigentümliche Ausstrahlung dieser Landschaft und dem Aussenseiter-Dasein in einem kulturellen Milieu, das sich kaum mit unseren eigenen Interessen verbinden lässt.»

Interessant am Film «Sommerhügel» ist die Darstellung von Gegensätzen, vom gebrochenen Verhältnis der Beteiligten zu dieser Gegend, das auch in einem Zwischentitel seinen Ausdruck findet: «Erstens: Die Liebe zur Natur - Zweitens: Das Gegenteil». «Keiner von uns ist je richtig «gelandet» in diesen Hügeln», sagt der Regisseur, «obwohl es einige immer wieder versuchen - fasziniert von der Natur, verführt von kitschigstädtischer Sehnsucht nach dem «reinen» Landleben. Uns haben beide Richtungen interessiert, in die das Pendel ausschlägt - und das Appenzellerland liefert eine Fülle inspirierender Bilder und Töne dazu. So arbeiteten wir häufig mit Assoziationsketten und Bild-Verknüpfungen, die unsere Art der Wahrnehmung, unsere Euphorien und Depressionen versinnbildlichen sollen.

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